Peterchens Mondfahrt der Ingolstädter CSU

Donnerstag, 8. November 2018

„Viel Grün statt Stau“ – „Eine verkehrstechnische Revolution“ – „Verkehrsprobleme erfordern kreative Lösungen“ - ein angekündigter Prüfantrag der CSU-Stadtratsfraktion sorgt für Schlagzeilen und Diskussionen.

Angesichts der Bedeutung des Vorschlages nun mit dieser Pressemitteilung auch eine erste Stellungnahme dazu von der ÖDP-Stadtratsgruppe.

Peterchens Mondfahrt der Ingolstädter CSU

Wenn das Wachstum der Verkehrsflächen nicht mehr mit dem Zuwachs an Fahrzeugen und beim Verkehrsaufkommen Schritt hält, dann greift in Ingolstadt immer wieder ein Reflex: Es muss ein Tunnel her!

Da so ein Reflex nun bereits relativ kurz nach Verabschiedung des Verkehrsentwicklungsplanes 2025 auftritt, muss man hinterfragen, warum die CSU diese Idee nicht in dieses Konzept eingearbeitet hat, welches ja durch den Stadtrat verabschiedet wurde. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Kommunalwahl 2020 war Triebfeder dieses Aktionismus.

Kaum reifte die Erkenntnis, dass für künftige Mobilität eine verstärkte Förderung des „Umweltverbundes“, allem voran von Rad und Bus hilfreich sei, legt man den Schalter wieder um in Richtung „autogerechte Stadt“, träumt die Vision einer Stadtautobahn.

Sicher, verständlich, man sucht langsam nach einem biertischtauglichen  Wahlkampfthema für 2020. Wer allerdings gerade dieses Objekt dafür auspackt, muss schon auch sagen, wie wir dies finanziell stemmen sollen – und worauf wir dann dafür verzichten müssen: Die Tunnels am Mittleren Ring unter dem Englischen Garten in München wie auch beim Frankenschnellweg in Nürnberg kosten jeweils über 300.000 Euro pro Tunnelmeter. Je nach Untergrund, Abzweigungen und Grundwasserschutz, kann dies, insbesondere bei der Unterquerung der Donau bis auf 500.000 Euro hochschnellen, mit jährlichen Steigerungsraten der Kosten von etwa 2%. Dass sich dies bei uns auf 700 Millionen, bei ungünstigen Rahmenbedingungen gar 1 Mrd. Euro  summieren würde, lässt man bei diesem „äußerst ambitionierten Vorstoß“ erst einmal geflissentlich weg. Und ob künftig ausreichend Gewerbesteuer fließt, um so etwas mal locker nebenbei zu begleichen, gilt derzeit wohl als unwahrscheinlich. Wenn man dann noch die Zeitschiene zur Verwirklichung eines derartigen Projektes, von der Planung, Einwendungen gegen die geplante Bebauung, bis zur Verwirklichung ansieht, erinnert das Ganze an die Geschichte von Peterchens Mondfahrt.

Völlig außer Acht gelassen wurde bei der Idee, die man einfach einmal den Medien zum Fraß vorgeworfen hat, wie man gedenkt, den Verkehr während der mehrjährigen Bauphase zu lenken. Hier ist das Chaos vorprogrammiert. Unbeantwortet blieb auch die Frage, welche Auswirkung die Wahlkampfrakete der CSU auf die zerstörerische Planung des FW-Tunnels zwischen Knoglersfreude und Gerolfing hat. Immerhin wurde die Freihaltung dieser Trasse auch mit den Stimmen der CSU beschlossen, dies auch aus Koalitionsräson gegenüber den Freien Wählern, die ja einen ebenfalls sehr kostspieligen Tunnel, nur halt an anderer Stelle, bauen wollen.

Man erhofft sich natürlich für so ein Großprojekt großzügige öffentliche Förderung aus übergeordneten Haushaltstöpfen. Doch auch das sind Steuergelder, die wir nur einmal ausgeben können, und was erschwerend dazu kommt: bei der Westlichen Ringstraße handelt es sich auch nicht um eine Bundesstraße.

Die ÖDP-Stadträte Thomas Thöne und Raimund Köstler halten es für viel sinnvoller, alle unsere Energie auf die im Verkehrsentwicklungsplan festgelegte Forcierung von Radverkehr und öffentlichen Bussen zu konzentrieren, dazu sinnvolle weitere Bahnhalte wie in Zuchering anzustreben, dies entschieden zu beschleunigen und zeitkostende Ablenkungsmanöver mit Bausteinen einer völlig überholten Politik zu unterlassen.

Viele Grüße

Franz Hofmaier


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